Am Samstag war die Holstenhalle in Neumünster bis auf den letzten Platz gefüllt als sich die Hengste des Holsteiner Verbandes an der Hand, im Freispringen, und unter dem Sattel dem auch aus dem Ausland angereisten Publikum präsentierten.
Er war wieder da: Diarado v. Diamant de Semilly a. d. Roxette v. Corrado I (Klaus Kristensen, Tingholm; DK). Der strahlend schöne Siegerhengst des Jahres 2007 präsentierte sich dem Holsteiner Publikum, das ihn mit begeistertem Applaus begrüßte, an der Hand und völlig abgeklärt im Kurzparcours unter Schockemöhle-Bereiter Bastian Freese. „Gute Nerven, hervorragend im Gleichgewicht und immer seinen Rhythmus haltend, das ist schon toll für so ein junges Pferd“, war die Aussage von Otto Becker, der zusammen mit Peter Luther, Norbert Boley und Stefan Krawczyk in der Halle stand und die Vorstellungen der Hengste im Parcours kommentierte. Diarado, der überlegene Gewinner der HLP von Schlieckau 2008, war nur am Samstag gekommen, am Sonntag hatte er seinen großen Auftritt bei der Hengstschau von Paul Schockemöhle. „Das Verhältnis zu Diarados Mitbesitzern ist hervorragend“, sagte Norbert Boley, „daher war es überhaupt kein Thema, dass der Hengst sich einen Tag auch den Holsteiner Züchtern zeigen konnte.“ Doch es war nicht nur Diarado, der im Parcours zu glänzen vermochte. Da gab es noch etliche andere: Cancara v. Cassini I-Corofino I (Peter Reimer Janssen, Kattrepel), der bereits beim Freispringen Szenenapplaus erhalten hatte. Der große Schimmel (173 cm) zeigte unter Lars Bak Andersen, dass er alle Voraussetzungen mit sich bringt, einmal ein „ganz Großer“ im Sport zu werden. Auf dem besten Wege dahin ist der achtjährige Cartani v. Carthago-Landgraf I (Sören von Rönne, Neuendeich). Unter Charlotte Lund, die ihn auch in Neumünster überzeugend in Szene setzte, kann der Sohn der unvergessenen Taggi bereits erste Siege in Springprüfungen Kl. S aufweisen. Einer der typvollsten Söhne des Carthago steht den Holsteiner Züchtern in diesem Jahr zur Verfügung: Cool Man K a. e. Landgraf I-Mutter (Heinrich Früchtenicht, Heist), anlässlich der Januar-Körung in Elmshorn gekört, zeigte unter Jeanette Brähmer sein Können am Sprung. Begeistern konnten auch zwei Nachkommen aus der L-Linie. Das war zum einen der fünfjährige Larimar v. Lavall II-Lord (Gestüt Charlottenhof, Gomadingen), der unter Alexandra Bitter eine Parcoursrunde vom Feinsten zeigte. Der Braune, der sich zudem hervorragend bewegen kann, hat bereits mit einem überragenden ersten Fohlenjahrgang auf sich aufmerksam gemacht. Christopher Frazer, Bereiter bei Rolf-Göran Bengtsson, hatte für die Präsentation die Vorstellung von Legolas v. Lordanos-Silvester (Thorsten Hinrichs, Weddingstedt) von Alexandra Bitter übernommen. Der sympathische Schimmel zeigte einmal mehr seine großen sportlichen Werte, die er in der abgelaufenen Saison bereits mit vielen Siegen und Platzierungen unter Beweis gestellt hat. Eine Alternative zum C-Blut ist für die Holsteiner Züchter ohne Frage der Jayadeva de Mackinac-Carthago-Sohn Jaquino (Kathrin Schmidt, Kellinghusen). „Er hat mir beim Freispringen schon gut gefallen“, kommentierte Otto Becker die Parcoursrunde des Braunen. „Er ist sehr intelligent bei der Arbeit, und von hinten kommt etwas“. Auch Rolf-Göran Bengtssons Lebensgefährtin Christina Gustafsson war in den Sattel gestiegen. Sie stellte den Schimmel Hermes D’Authieux AA v. Ithuriel-Emir IV vor, der im vergangenen Jahr mit einem interessanten Fohlenjahrgang aufwarten konnte.
Kein Parcoursspringen ohne die Nachkommen der Q-Linie: Der seit letztem Jahr deutlich verbesserte Quidado v. Quidam de Revel-Cambridge (Priska Erni-Suhner, CH-Nebikon) zeigte unter ÂPhilipp Schulze ebenso seine Qualitäten wie der von Lars Bak Andersen vorgestellte Quirado v. Quidam de Revel-Corrado I (Elmar Sipple, Ravensburg), der im vergangenen Jahr unter Philipp Schulze Siege und Platzierungen in Springpferdeprüfungen Kl. M aufweisen konnte. Für Quadrigo v. Quinar-Cassini I (Helmut Bohm, Haselund) durften die Abmessungen dann schon ein wenig Âhöher sein. Der Silbermedaillengewinner von Hongkong, Rolf-Göran Bengtsson, ritt den Braunen, der unter Lars Bak Andersen international S-platziert ist, in feiner Manier durch den Parcours. Am Sonntag lieferten sich die beiden - sehr zur Freude des Publikums - ein „Stechen“ mit dem von Janne-Friederike Meyer gerittenen Nekton v. Nimmerdor-Coriano (Heinrich Schoof, Büsum) und Boritas v. Baldini I-Alcatraz (Klaus Thiedemann, Poppenwurth), mit dem Lars Bak Andersen nach Meinung von Stefan Krawczyk die Oberhand behielt.
Ein Pferd aus der Q-Familie zeigte beim Freispringen, dass es bei der letzten Körung zu Recht eine der auffälligsten Erscheinungen dieser Linie war: der dreijährige Quarz v. Quintero-Caretino (Frauke Bahnsen, Leck). Von seiner Mutter Piccolina, die 2003 Siegerstute der Verbandsstutenschau geworden war und ihren Stutentest mit hohen Noten abgeschlossen hatte, hat der mittelrahmige Braune seine großen Reitqualitäten, die er unter dem Sattel von Markus Suchalla demonstrierte, mitbekommen. Nach der Präsentation am Samstag war wieder ein Sohn des Siegerhengstes von 2004, Canto v. Canturo-Limbus, der unter Christopher Frazer eine überzeugende Runde im Parcours ging und in dieser Saison wieder unter Janne-Friederike Meyer Turniere bestreiten soll, im Gespräch: Cantolino a. e. Acorado-Lord-Mutter (Professor Dr. Hartwig Schmidt, Borsfleth). Der typvolle Braune sprang vom Allerfeinsten und zeigte unter dem Reiter hohe Rittigkeitswerte mit sehr guten Grundgangarten, wobei sich der Trab im Laufe der Ausbildung sicherlich noch verbessern lässt. Seine Anhänger wird auch der erste Sohn des Olympiapferdes Chin Chin in der Holsteiner Zucht, Chin Champ a. e. Carvallo-Contender-Mutter (Gerhard Roerink, NL-Haaksbergen), gefunden haben. Der geschlossene Braune versprühte bei großer Rittigkeit - er wurde von Markus Suchalla vorgestellt - eine große Ausstrahlung und sprang mit viel Vermögen bei feiner Manier und Technik. Ein Lob muss an Friedrich Warnholz gehen, unter dessen Anleitung die dreijährigen Hengste remontegerecht auf ihren ersten Auftritt unter dem Reiter vorbereitet worden sind. Nach der Januar-Körung hatte sich der Holsteiner Verband auch die Dienste von Skyros v. Stakkato-Cassini I (Gestüt Charlottenhof, Gomadingen) sichern können. Das typvolle Gesicht des sechsjährigen Schimmels ist sicher ein Erbe aus der holsteinischen Linie seines Pedigrees. Die Verbindung der beiden Hengste Stakkato und Cassini I, die sich im internationalen Sport bewährt haben, ist verantwortlich für das außerordentliche Springvermögen von Skyros.
Mit Bellino xx v. Greinton xx-Lagunas xx konnte der Holsteiner Verband in dieser Saison sein hoch interessantes Angebot an Vollblütern verstärken. Dass der eisenharte 14jährige Vollblüter mehr als 50 Starts - u. a. im Deutschen Derby - auf der Rennbahn absolviert hat, war ihm unter dem Sattel von Eva Möbauer nicht anzumerken. So frisch trabte und galoppierte er durch die Bahn. Der in Polen gezogene Cyrkon xx v. Enjoy Plan xx-Saphir xx ließ sich am Samstag wunderbar von Alexandra Bitter durch den Parcours reiten, und Armand xx, der kräftig ausgelegt hat, zeigte unter dem Sattel von Markus Suchalla bei gutem Bewegungsablauf seine hervorragenden Interieurwerte. Mit Spannung erwartet werden die ersten Fohlen von Ibisco xx v. Royal Solo xx-Local Suitor xx (Gestüt Hof Iserneichen), der unter Markus Suchalla seine für einen Vollblüter ungewöhnlichen Bewegungsmöglichkeiten demonstrierte.
„Für die Hengste bedeutet die Präsentation mit dem Publikumsverkehr in den Stallungen doch ein wenig Stress“, erklärte Norbert Boley das Fehlen der „Heroen“ Cassini I v. Capitol I-Caletto II (Hermann J. Claussen, Neuenkirchen), Caretino v. Caletto II-Metellus (Lothar Völz, Wöhrden), Contender v. Calypso II-Ramiro (Niko Detlefs, Dänschendorf) und Corrado I v. Cor de la Bryère-Capitol I (Eduard Struve, Satrup). „Und den wollten wir den alten Herren ersparen“. Sie wurden aber würdig vertreten von den Hengsten der „Corde“-Linie, Corrado II, Cheetano v. Coriano-Capitol II (Claus Möller, Beldorf) , Cardenio v. Coriano-Aloubé Z (Petra Fröchtling Eggers, Osterrönfeld), Carpaccio v. Caretino-Lantaan (C. A. Jessen, Goldelund) und Cormint v. Calido I-Carthago; der Capitol I-Linie Cardino v. Carthago-Landgraf I (Günter Schüder, Bahrenfleth), Cassini II und Clearway v. Capitol I-Lord (Otto Boje Schoof, Hedwigenkoog); der L-Linie mit Lavall I v. Landgraf I-Sacramento Song xx (Jutta Strüwer, Quickborn), Lasino v. Landgraf I-Capitol I (Klaus Thiedemann, Poppenwurth), Lorentin I v. Loutano-Latino (Jan-Herbert Detjens, Seestermühe), Le Toquet v. Limoncello II-Loutano (Peter Diedrichsen, Borgsum/Föhr) und Loran v. Lord-Calypso I (Gerd Carstensen, Hörup), der an der Hand von Uwe Benzin paradierte und noch einmal seine Bewegungsqualitäten unter Beweis stellte. Lorans früherer Reiter Wolfgang Schade ließ es sich natürlich nicht nehmen, sein ÂParadepferd Dolany v. Donnerhall-Cor de la Bryère (Meike Reckenfuß-Voß, ÂHohenlock- stedt) in einer Grand-Prix-Kür vorzustellen, sein Sohn De Chirico a. e. Linaro-Reichsgraf-Mutter (Günter Fielmann, Schierensee) wurde vom neuen Bereiter im Elmshorner Dressurstall, Raphael Loison, gekonnt in Szene gesetzt. DvP
Die zur Hengstpräsentation erschienene ÂHolsteiner Verbandshengststationierung kann zum Preis von fünf Euro zzgl. Versandkosten beim Holsteiner Verband unter 04121-49790 bestellt werden.
Jörg Naeve siegt im S-Springen
Das S-Springen mit Stechen - Preis der VTV-Versicherungen - im Anschluss an die Hengstpräsentation sicherte sich Jörg Naeve (Gr. Wittensee) mit Calado v. Calando I-Landgraf I (Gunter Stange-Steinmetz, Krempe) vor Jörgen Köhlbrandt (Todendorf a. F.) mit dem unlängst für die Holsteiner Zucht gekörten Bonaparte AA und Jörg Kreutzmann (Kasseburg) mit Callista-Ninette v. Cambridge-Corrado I (Klaus Thingholm-Kristensen, DK-Bjerringbro).