Las Vegas

 

Die Sieger: Meredith Michaels-Beerbaum und Steffen Peters


In der glitzernden Spielerstadt Las Vegas fanden die Weltcupfinals der Dressur- und Springreiter statt.

Verkehrte Reiterwelt bei  den Weltcupfinals der Spring- und der Dressurreiter in Las Vegas: Die aus Kalifornien nach Deutschland emigrierte Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und feierte mit ihrem Hannoveraner Shutterfly nach 2005 und 2008 ihren dritten Weltcup-Triumph.  Der aus Deutschland in die Staaten ausgewanderte Steffen Peters schaffte in der Dressur mit dem Contango (v. Contender)-Sohn Ravel aus holländischer Zucht die Sensation und realisierte die vielerorts gewünschte Wachablösung, sehr zum Verdruss von Isabell Werth, die mit Satchmo eigentlich als Siegerin hätte proklamiert werden müssen. Zu Recht echauffierte sich die Rheinbergerin: „Die Richter haben einen Wechsel an der Spitze gewollt. Wie da gewertet wurde, ist nicht nachvollziehbar.“ Im Gegensatz zum Grand-Prix blieb die Top-Favoritin in der Kür fehlerlos und höchst konzentriert, zeigte Höchstschwierigkeiten, bestach durch Präzision und Taktgefühl und demonstrierte mit ihrem selbstbewussten 15-jährigen Hannoveraner eine ausgewogene und reife Darbietung. Der dritte Weltcup-Erfolg nach 1992 und 2007 blieb der ehrgeizigen Isabell aber - nomen est omen - verWEHRT.

Mit Köpfchen und Gefühl
Die Weltranglisten-Erste Meredith Michaels-Beerbaum hat erneut bewiesen, dass sie die derzeitige Nummer 1 im Springsattel ist, mit Druck umgehen kann und über Nerven wie Drahtseile verfügt. Mit dem federleicht und sauber springenden Shutterfly blieb die mit viel Courage und Gefühl reitende Strahlefrau in allen drei finalen Wertungsspringen in Las Vegas fehlerfrei und strich insgesamt genau 259 698 Dollar ein.
Hinter der in Kalifornien geborenen 39-jährigen Deutschen platzierte sich der zweifache Team-Olympiasieger McLain Ward (USA) auf Sapphire - die dreifachen GP-Sieger der Winter-Equestrian-Tour in Florida - mit zwei Punkten als Zweiter. Rang drei entschädigte Albert Zoer für sein Olympiapech. ­Einen Tag nach seinem GP-Sieg in ­Aachen hatte sich der holländische Mannschaftswelt- und Europameister das Bein beim Training mit einem jungen Pferd gebrochen und fiel drei Monate aus. Die Olympischen Spiele in Hongkong fanden ohne ihn statt. Mit seinem geschickten und sprungkräftigen Energiebündel Okidoki aus heimischer Zucht sammelte der Brillenträger insgesamt nur vier Fehlerpunkte und verwies damit die ebenfalls überzeugende Schweizerin und gebürtige Deutsche Christina Liebherr mit No Mercy auf den undankbaren vierten Platz.

Shutterfly und die Perfektion
„Das war der perfekteste Sieg meines Lebens“, jubelte die sichtlich gerührte Titelverteidigerin nach ihrem erneuten Triumph. „Das ist ein Highlight in meiner Karriere. Pferde wie Shutterfly hat man nur einmal im Leben. Wir verstehen uns blind und sind so eingespielt wie ein altes Ehepaar“, erzählte die Gattin von Markus Beerbaum.
Der Star aber sei ihr Superpferd Shutterfly, den sie „Petey“ nennt. „Er ist schon 16, aber Petey ist in Las Vegas gesprungen wie ein Neunjähriger. Ich bin enorm stolz auf ihn und mein gesamtes Umfeld, denn die letzte Zeit war nicht einfach für mich“, ergänzte Michaels-Beerbaum. Ihr Vater Richard, ein Filmproduzent in Hollywood, war vier Wochen zuvor gestorben. Meredith: „Diesen Sieg widme ich auch ihm.“

Ludger und sein Kraftpaket
Doch auch zwei Springpferde aus Holsteiner Zucht vermochten sich in der US-Spielerstadt in Szene zu setzen. Vor allem Ludger Beerbaums Coup mit Coupe de Coeur, der mit dem geteilten Tagessieg im Grand-Prix gipfelte und zum sechsten Schlussrang führte, als auch Marcus Ehnings Weltcupfinal-Einstand mit dem geschickten, dunkelbraunen 13-jährigen Leconte (zehnter Platz) fanden Beachtung.
Am Schlusstag standen fünf Reiter nach zwei GP-Runden und 24 fehlerfrei übersprungenen Hindernissen gemeinsam in der ersten Reihe. Neben den drei ersten im Gesamtklassement und Christina Liebherr vermochte auch der vierfache Olympiasieger Ludger Beerbaum mit seinem Holsteiner-Schimmel Coupe de Coeur v. Calido I-Lincoln (Johann Jürgens, Marne) zu überzeugen. Der Weltcupsieger von 1993 harmoniert mit dem Kraftpaket immer besser, was schon der GP-Sieg in Dortmund verdeutlichte. Es kann sich nur um wenige Wochen handeln, bis der Routinier aus Riesenbeck wieder in den A-Kader der Deutschen aufsteigt. Nach dem Millionen-Verkauf von All Inclusive in die Schweiz war Ludger relegiert worden.
 Ob er nach den jüngsten Erfolgen wieder in den Championats-Kader ­rücken wird, mochte Bundestrainer Otto Becker noch nicht beantworten. „Wir werden mal abwarten und freuen uns, dass es in Las Vegas so gut geklappt hat. Bei Ludger und Coupe de Coeur läuft es ja erst so richtig rund, seitdem er im B-Kader ist“, fügte der Weltcupsieger von 2002 ironisch an.

Marcus Ehnings Geburtstagsgeschenk
Marcus Ehning machte sich am Sonntag in Las Vegas an seinem 30. Geburtstag selbst eine große Freude. Obwohl er im klassierenden zweiten Umlauf mit nochmals 15 Efforts zwei Fehler beging, demonstrierte der Stilist die Qualitäten von Leconte v. Lasino-Contender (Manfred Kummetz, Krummesse). Leconte zeichnen Sauberkeit über dem Sprung, Eleganz und Sensibilität aus. Was (noch) fehlt, ist die Erfahrung. Der mit dem Schweizer Daniel Etter geteilte zehnte Schlussrang befriedigte jedenfalls und schließlich hat der zweifache Weltcupsieger mit Plot Blue, dem ehemaligen Spitzenpferd des Schweizers Werner Muff, und Sandro Boy noch weitere EM-Trümpfe in der Hinterhand.
   
Peter Wyrsch

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