Holsteiner Masters Zukunftspreis
Sieg für Loriot K und Carsten-Otto Nagel
Ein Blick in die Platzierungsliste des Holsteiner Masters Zukunftspreises im Jahr 2005 zeigt, dass diese Prüfung ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Parcourskarriere ist: Orlanda, Aragorn W, Calapuno, Clintwood, Quadrigo oder Conley - sie alle haben inzwischen Erfolge in internationalen Springen vorzuweisen. Und die diesjährige Siegerin des Warsteiner Preises, Centuria, war vor zwei Jahren Dritte im Holstener Masters Zukunftspreis geworden.
Carsten-Otto Nagel staunte bei der Siegerehrung im Holsteiner Masters Zukunftspreis nicht schlecht: Für seinen Sieg auf Loriot K v. Lorentin-Alcatraz (Herbert Knutzen, Hürup) gab es einen neuen Audi A 3. Als letzter Reiter hatte der Wedeler sich den Sieg in der mit 30 000 Euro dotierten Springprüfung für sechsjährige Holsteiner gesichert. Zuvor hatten Carsten-Otto Nagel und Loriot K bereits das Einlaufspringen gewinnen können. Loriot K ist vierjährig in seinen Beritt gekommen. „Frau Dr. Heim hat ihn vor zwei Jahren von Andreas Ripke gekauft“, erzählt Carsten-Otto Nagel, dessen Bereiter Marcel Wolf den Wallach für das diesÂjährige Bundeschampionat qualifiziert hatte. „Ich bin ihn vor Kiel nur drei, vier Turniere geritten“, berichtete der Wedeler, der in Kiel nicht weniger als vier Springen gewinnen konnte. „Er kann schnell laufen und hoch springen“, freute sich der Züchter von Loriot K, Herbert Knutzen aus Hürup, bei der Siegerehrung. Diese Einschätzung teilt auch Carsten-Otto Nagel: „Loriot K ist schon ein sehr gutes Pferd. Er wird seinen Weg machen“. Aus Loriot Ks Stamm, 2067, kommen viele gute Springpferde wie z. B. Con Spirito R und Landstreicher. Auf Platz zwei im Holsteiner Masters Zukunftspreis kam Markus Beerbaum mit Al Capone v. Acorado I-Calypso I (Brigitte Feifel, Schwäbisch-Gmünd), der ebenfalls ohne Fehler geblieben war, vor Cleveland v. Caretino-Alcatraz (Harald Andresen, Behrendorf). In dessen Sattel saß Franz-Josef „Peppi“ Dahlmann, der auf dem ehemaligen Auktionspferd seinen letzten Ritt für seinen langjährigen Arbeitgeber Wolfgang Brinkmann absolvierte. Am Montag nach der Baltic Horse Show hat er im Stall von Otto Becker angefangen.
HSH-Nordbank Grand Prix
Doppelsieg durch die Ehning-Brüder
Nicht Marcus Ehning, sondern sein „kleinerer“ Bruder Johannes hat den HSH Nordbank Grand Prix gewonnen. Dessen Pferd, Salvado V, ein neunjähriger KWPN Wallach v. Calvados-Voltaire steht erst seit einem Dreiviertel Jahr im Ehning-Stall. „Er kam als Hengst zu uns, war sehr frech und ließ sich kaum arbeiten“, erzählt Marcus Ehning. Drei Mal war er von ihm runtergefallen, damit war Salvadors Schicksal besiegelt: Er wurde kastriert. Dennoch ist er immer noch ein wenig speziell. „Er kann nicht von jedem longiert werden, und auch beim Reiten muss man noch höllisch aufpassen“, schmunzelte Marcus Ehning. Im Stechparcours vergaß der Fuchs jedoch alle Kapriolen und kam sicher und schnell ins Ziel. „Das ist schon eine besondere Leistung von Johannes, dass er Salvador so gut in Gang bekommen hat“, lobte Marcus Ehning seinen Bruder, für den das Turnier bis dahin nicht wie erhofft verlaufen war. „Da habe ich mir vorgenommen, wenigstens im Großen Preis gut zu reiten“, schmunzelte Johannes. Mehr als eine Sekunde war er schneller als Bruder Marcus, der im Sattel von Leconte v. Lasino-Contender (Manfred Kummetz, Krummesse) saß, der vor wenigen Wochen noch unter dem Australier Matthew Williams bei den Olympischen Spielen in Hongkong am Start gewesen war. Henk Nooren, mit dem der Borkener trainiert, hatte ihm den Wallach, der sich weiter in australischen Besitz befindet, vermittelt.
Warsteiner Preis
Erst acht Jahre alt: Die Siegerin Centuria
Erst acht Jahre ist sie alt: Centuria, die unter Markus Beerbaum ein Traditionsspringen der Baltic Horse Show - den Preis der Warsteiner Brauerei - nach Stechen gegen so „alte Hasen“ wie Sauternes ter Vlucht (Jörg Kreutzmann) und den von Rolf-Göran Bengtsson gerittenen Quintero v. Quantum-Chamonix (Joachim Ahsbahs, Bokel) gewinnen konnte.
Ihren ersten ganz großen öffentlichen Auftritt hatte Centuria v. Candillo-Cor de la Bryère aus der Zucht von Klaus Struck, Jeverstedt, vor zwei Jahren. Im Holsteiner Masters Zukunftspreis belegte die Stute den dritten Platz unter Alois Pollmann-Schweckhorst. Dieser hatte die Stute zwei Jahre zuvor entdeckt und für die Warsteiner Sportpferdeakademie, die übrigens von Albert Cramer unterstützt wird, angekauft. Unter seinen Bereitern sammelte Centuria erste Turniererfahrungen, dann setzte sich Alois Pollmann-Schweckhorst eine Woche vor der Baltic Horse Show selbst in den Sattel.„Die Stute könnte mit ihrer Art zu gehen und zu springen etwas für Meredith Michaels-Beerbaum sein“, meinte er damals und bot der Meisteramazone die blutgeprägte Centuria zum Kauf an. Gesagt, getan - Centuria bezog ihre Box in Thedinghausen. „Wir haben versucht, die Stute mit Hilfe von Sponsoren an uns zu binden“, erzählt Markus Beerbaum. Das gelang nicht ganz, doch Centuria blieb trotzdem in ihrem Stall. Die für Israel reitende Gabriela Sallick, eine Schülerin der Beerbaums, kaufte sie und konnte bereits etliche schöne Erfolge mit der Braunen feiern. Jetzt ist die gebürtige Amerikanerin schwanger und Markus Beerbaum kann die Stute mit auf Turniere nehmen.
Die Sieger im Cellagon-Championat
Franke Sloothaak und Can Cun La Silla
Ein Sieg von Franke Sloothaak - das gehört zu einer Baltic Horse Show wie das Salz in der Suppe. In diesem Jahr sicherte sich der Borgholzhausener mit dem Cellagon-Championat von Kiel Âwieder ein wichtiges Springen in der Sparkassen-Arena. Mit dem Fuchs Can Cun La Silla war der ehemalige Mannschaftsweltmeister in dem Fehler/Zeitspringen sieben Hundertstel schneller unterwegs als Torben Köhlbrandt, der im Sattel des Holsteiner Hengstes Concept v. Concerto II-Langata Express xx saß. Can Cun La Silla, der sich, wie der Name schon sagt, im Besitz des Mexikaners Alfonso Romo befindet, kam erst vor vier Monaten in den Stall von Franke Sloothaak. Zuvor stand er beim Olympiasieger von 2000, Jeroen Dubbeldam. Franke SlootÂhaak sagt von dem springbegabten Fuchs: „Er ist ein gutes Pferd, ihm fehlt allerdings noch Routine“. Die kann der in den Niederlanden gezogene Can Cun La Silla auch noch nicht haben, ist er doch erst sieben Jahre alt. In seinem Pedigree sind allerbeste Springgene vereint, die für die Zukunft einiges erhoffen lassen: Sein Großvater väterÂlicherseits, Aldatus, war im internationalen Sport unter Jos Lansink erfolgreich, und in der dritten Generation auf der Mutterseite ist zwei Mal der Hengst Jasper zu finden. Dieser, nur 160 cm große Hengst hatte einst unter dem Sattel von Hugo Simon unter dem Namen Little One viele internationale Erfolge, darunter den Sieg im Deutschen Spring Derby, feiern können. Auf die weitere Karriere von Franke Sloothaak und Can Cun La Silla darf man also durchaus gespannt sein.
Jugend vor!
Hohe Leistungsdichte im Jugend Team Cup
Nicht nur Serieninitiator Henning Saggau (Hasenmoor) ist hoch zufrieden. Auch Susanne Brinkop (Neumünster), „Chefin“ des Seriensiegers Team Brinkop, und Reimer Köhlbrandt (Fehmarn), „Oberhaupt“ vom Finalsieger auf der Baltic Horse Show, Team Pferd+SPORT, können stolz sein auf ihre Schützlinge. Aber auch die sechs restlichen Jugend-Team-Cup-Mannschaften haben Top-Leistungen im Springsattel gezeigt.
Vor dem Finale, das nach fünf Stationen auf hochkarätigen Turnieren im Rahmen der Baltic Horse Show ausgetragen wurde, war alles noch offen. Denn beim Kieler Turnier gab es doppelte Punkte für die erreichte Platzierung. Zu guter letzt siegte, mit nur drei Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten (Team Peerspan), das in Führung liegende Team Brinkop in der Springsportserie für Reiter bis maximal 21 Jahre, während das Team von Pferd+SPORT im Finale das beste Ergebnis brachte. „Die Kinder und Jugendlichen sind enorm stark, haben sich im Laufe der Saison sehr verbessert“, lobten Saggau und Köhlbrandt. Beide haben natürlich Sprösslinge in den Teams.
„Bemerkenswert ist, dass so viele Kinder auf selbst gezogenen Pferden reiten“, erklärte Köhlbrandt. Alleine in seiner Mannschaft sitzen Anna-Lena Detlef (Fehmarn) mit Capanos, Jasper Köhlbrandt mit Melina und Felix Hauschildt (Seester) mit Rakete im Sattel von (Holsteiner) Vierbeinern, die bei ihren Eltern das Licht der Welt erblickten. Vierter im Bunde ist Moritz Labjuhn mit Apacho. Zum siegenden Team Brinkop gehören: Leonie (Bombay) und Kendra (Leuchtfeuer – selbst gezogen) Brinkop, Bastian Walser/Calimero (alle Neumünster) und Finja Früchtnicht/Anders (selbst gezogen) aus Seester.
Wie Saggau ankündigte, werde der Team Cup, der auf M* und M** ausgeschrieben ist, 2009 in seine dritte Runde gehen. „Der Cup ist enorme Motivation für die Kids und bietet die Möglichkeit, auf hochkarätigen Turnieren zu reiten, wo sie sonst nicht startberechtigt wären“, so Saggau. Auftakt wird wieder in Neumünster sein, Finale in Kiel. Jessica Bunjes
Preis der May & Co. Wohn- und Gewerbebauten GmbH
Sieg mit Weile
„Gewonnen mit Weile“ - so hätte man im Rennsport den Sieg des Dänen Sören Pedersen in der ersten Qualifikation zum Großen Preis bezeichnet. Knapp fünf Sekunden betrug sein Vorsprung im Preis der May & Co. Wohn- und Gewerbebauten GmbH zu dem Zweitplatzierten Gert-Jan Bruggink, der Cash Junior, einen Oldenburger Cash-Landadel-Sohn, gesattelt hatte. Sören Pedersen saß im Sattel von Lobster v. Landor S, ebenfalls ein Oldenburger. Dieser liebt, so sein Reiter, den Sport: „Auf Turnieren ist er immer sehr kernig“ Zuhause aber ist der aus der Zucht von Gert Sosath stammende Lobster brav wie ein Schulpferd, so brav, dass ihn der elfjährige Sohn von Sören Pedersen reiten darf. Der Däne ist vor 16 Jahren nach Deutschland gekommen, „um Turniere zu reiten“. Zunächst war er zwei Jahre für Hugo Simon tätig, anschließend wechselte er zu dem unvergessenen Gerd Wiltfang. Danach machte sich Sören Pedersen, der 2001 dänische Farben bei den Europameisterschaften in Arnheim vertrat, selbständig. Zunächst auf einer gepachteten Anlage, seit 2003 betreibt er seinen eigenen Ausbildungs- und Turnierstall in Harpstedt b. Wildeshausen. Der zehnjährige Lobster steht seit sechs Jahren im Pedersen-Stall. Inzwischen gehört er finnischen Kunden, und Sören Pedersen hofft, dass er den Wallach auch behalten kann. Ihre gute Form unterstrichen Sören Pedersen und Lobster eine Woche nach der Baltic Horse Show, als sie in Dresden das Championat gewinnen konnten und im Großen Preis Sechste wurden.
Splitter
K.-O-Springen - Das von den Kieler Nachrichten präsentierte KO-Springen ist aus dem Programm der Baltic Horse Show nicht mehr wegzudenken. Das Publikum ist begeistert, und auch die Reiter „spielen“ in den meisten Fällen mit. Das gilt vor allem für unsere Kolumnistin Janne-Friederike Meyer, die weiß, wie man das Publikum auf seine Seite bekommt. Sie war es dann auch, die mit Chester im Finale gegen Takashi Haase mit Acorado die Oberhand behielt. Im Foto gratuliert Helmut Schwalm, Redakteur der Kieler Nachrichten.
Ganz entspannt - Mal nicht auf Verbrecherjagd war Schauspieler Till Demtrøder („Großstadtrevier“). Der Hobbyreiter hatte Kiels Reitturnier schon zum Auftaktkonzert besucht - da kam er direkt vom Dreh und trug im Kieler Schloss zu Verdi und Co. einen Anzug aus dem Kostümfundus der ARD, wie er verriet. Am Sonnabend hatte er dann seinen eigenen Zwirn im Gepäck und plauderte mit Moderatorin Denise Maurer über seine Liebe zum Reitsport. „Ich entspanne, wenn es zeitlich passt, am liebsten im ÂSattel“, so Pferde-Fan Demtrøder. Jem
Märchenhaft - Der Name war Programm. Der Reiterhof Gläserkoppel im RV Preetz setzte das Märchen der Gebrüder Grimm vom „Wolf und den sieben Geißlein“ mit 18 Reitern und 78 Mirwirkenden um. Die gerittene SpringÂquadrille verschwand im Maul des 3,50 Meter großen Schlundes...
Sexy Auftritt - Voltigier-Queen Nicola Ströh aus Hamburg und der vielfache Voltigiermeister auf deutscher, Europa- und Weltebene, Kai Vorberg (Köln), sorgten für eine wahrhaft atemberaubende Show: Das eingespielte Duo interpretierte den berühmten „Tanz der sieben Schleier“ ganz neu und legte einen ebenso sportlichen wie sexy Strip hin. Wohlgemerkt stehend, kopfüber und sonst wie Hals-über-Kopf auf dem galoppierenden Pferd. Dass da so manchem Kerl die Luft wegblieb, konnten sogar die Damen nachvollÂziehen. Jem
Der Steward - Stewards gibt es auf Turnieren schon seit vielen Jahren, nach den Ereignissen in Hongkong kommt ihnen eine noch größere Bedeutung zu. Hans „Hansi“ Wallmeier, der bei der Baltic Horse Show von Detlef Peper unterstützt wurde, versieht diesen Dienst seit fast 30 Jahren. Der Ton mit den Pflegern bei seinen Stallrundgängen ist freundlich. Man Âkennt sich, und die Pfleger wissen, dass sie mit Hansi Wallmeier einen kompetenten Ansprechpartner haÂben, wenn es Probleme gibt. In Kiel ist alles in Ordnung, sieht man einmal von dem rauchenden Pfleger in der Stallgasse ab. Er bekommt einen freundlichen Verweis, die Zigarette wird sofort ausgemacht. Ein Pferd steht im Stall und webt. Ein kurzer Blick auf die - unbandagierten - Beine. Alles ist in Ordnung. „Gegen Weben kann man nichts machen“, meint Hansi Wallmeier, der zugibt, lieber am Richtertisch zu sitzen. „Das ist weniger anstrengend“, schmunzelt er.
AUDI A3 gewonnen - Carsten-Otto Nagel hat wie berichtet beim internationalen Springturnier Baltic Horse Show in der Sparkassen-Arena abgeräumt. Für seinen Sieg im „Holsteiner Masters Zukunftspreis präsentiert vom Audi Zentrum Kiel“ - mit 30.000 Euro weltweit höchst dotiertes Springen für sechsjährige Pferde - nahm er im Audi Zentrum Kiel von Verkaufsleiter Sebastian Breuß (re.) und Nicole Heite von der Baltic Horse Show GmbH einen nagelneuen Audi A3 in Empfang. Das 105-PS-Gefährt soll fortÂan auf dem Moorhof eingesetzt werden. jem
Mutig - Ob er gewusst hat, was da auf ihn zukommt? Nach der Vergabe der Goldenen Fahrabzeichen an Mareike Harm und Stefan Koch lud der aufkommende Star der deutschen Vierspännerszene, Michael Brauchle, Klaus Buß ein, bei ihm auf der Kutsche Platz zu nehmen. Der Vorsitzende des PSH hatte sichtlich Spaß an den rasanten Runden mit dem Vierspänner.
Abschied I - Friedrich Meyer aus Nottfeld ist zwar auf nahezu jedem Turnier dabei, steht, wie seine Tochter Janne-Friederike zu berichten wusste, nicht gerne im Rampenlicht. In Kiel musste er über seinen Schatten springen, denn seine Tochter hatte sich zum Abschied von dem von ihm gezogenen Callistro etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie überreichte ihrem Vater als Dank für seine große Unterstützung ein Gemälde von Callistro, der nun zu Hause in Nottfeld sein Rentnerdasein genießen darf. Ein Dank ging auch an Mutter Ursula, die in Nottfeld für das Wohlergehen ihrer SchützÂlinge sorgt.
Abschied II - Zum letzten Mal - die FEI will es so - war Dr. Hanno Dohn als Springrichter in der Kieler Sparkassen-Arena tätig. Am 15. Dezember ist er 70 Jahre alt geworden und hat damit die von der FEI vorgegebene Altersgrenze erreicht. Die Turnierleitung bereitete dem Rheinländer, der als ChefÂrichter Springen bei den Olympischen Spielen in Hongkong fungierte, einen stimmungsvollen Abschied, und Peter G. Rathmann versprach: „Von jetzt an gibt es eine Eintrittskarte und wir würden uns freuen, wenn Du uns die nächsten Jahre auch besuchen wirst.
(PS-) Starker Auftritt - Dass in Kiel die Pferde los sind, war spätestens am Sonnabendnachmittag nicht mehr zu übersehen. Da hatten nämlich die Fahrsportler zum spontanen Kutschen-Korso angeÂspannt, damit sich ihre Vierbeiner zwischen den Rennen beim Hansano-Fahrduell die Beine vertreten konnten. Mit acht Gespannen - zwei Vierspänner, drei Zweispänner und drei Zweispänner-Ponys - trabten sie zum „Sightseeing“ durch die City und sorgten für einen Massenauflauf. „Das bringen echt nur Fahrpferde - das sind Sportler, die haben Nerven wie Drahtseile“, betonte der Fahrsport-Chef der Baltic Horse Show, Gundloff Robrahn (Willingrade). jem
Empfang: Zum zweiten Mal hatte die Stadt Kiel im Rahmen der Baltic Horse Show zum Züchter-Empfang ins Rathaus geladen. Rund 40 Züchter, ÂReiter sowie Freunde und Förderer des Reitsports applaudierten Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz, als sie versprach, sich dafür einzusetzen, den Fortbestand des Turniers mit der Verlegung des Wochenmarktes vom Exer auf den Wilhelmplatz zu sichern: „Spätestens mit der Rückgewinnung des internationalen Status gesellt sich nun auch die Baltic Horse Show zurück in den erlesenen Kreis derer, die Kiels Namen über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt machen.“ jem
Mutterfreuden - Im vergangenen Jahr fehlte Denise Maurer im Moderatoren-Team. „Da lag ich im Kreißsaal“, verriet die Stuttgarterin, die inzwischen Mutter von Philipp ist und 1973 in Kiel geboren wurde. Dieser Humor und das Gefühl für die Stimmung zeichnen die Moderatorin und Trainerin für Kommunikation aus. jem
Erinnerungen - Nach dem Eröffnungskonzert gab es noch einen Empfang der Holsteiner Masters im Kieler Schloss. Turnierchef Peter G. Rathmann ehrte in diesem Kreis den MoÂderator Hans-Heinrich Isenbart und hatte eine Ausgabe der Kieler Nachrichten vom 3. Dezember 1990 dabei: Isenbart (85) brachte alle zum Lachen. Der gebürtige Wiener erÂzählte: „Es war wohl 1952, als wir nach dem Turnier Hunger auf eine Wurst hatten. Nachts in Kiel gegen drei Uhr morgens war das nicht einfach. Also sind wir in eine Bar gegangen. Natürlich bekamen wir ein Würstchen, aber nur zusammen mit einer Flasche Champagner. Das wurde die teuerste Wurst meines Lebens. 125 D-Mark mussten wir zahlen.“ alm
Im Galopp durch die Welt der leichten Muse
Ausverkauftes Auftaktkonzert im Kieler Schloss
Monate im Voraus war es auch dieses Jahr wieder ausverkauft, das Cellagon-Eröffnungskonzert zur Baltic Horse Show. Das musikalische Kult-Event inszenierte, gewohnt mitreißend, der Generalmusikdirektor aus Kiel, Georg Fritzsch, zusammen mit seinem Philharmonischen Orchester und vereinigten Chören im Kieler Schloss.
Die charmante Moderation durch den schwungvollen Abend hatte einmal mehr die „Stimme des deutschen Pferdesports“, der musikbegeisterte Hans-Heinrich Isenbart (85) aus Kirchlinteln/Verden übernommen. Das dreistündige KonÂzert füllten die Kieler Musiker und Sänger lebendig mit italienischer Opernkunst und Wiener Operettenseligkeit. Wiederkehrendes Highlight waren die fast 100 Stimmen, die mal gewaltig, mal lieblich, von der Chorempore heruntertönten. Sie stammten vom Opernchor des Theaters Kiel (einstudiert von David Maiwald) und vom Städtischen Chor Kiel (Leitung: Bettina Rohrbeck).
Fünf Mal traten die einst in Kiel engagierte Sopranistin Susanne Bernhard und der in der kommenden Saison für Kiel verpflichtete südkoreanische Tenor Yoon ki Baek auf. Zu guter letzt sorgte ein pfiffiger Dirigent Georg Fritzsch für eine gelungene Überraschung: Elf Instrumentalisten inklusive des GMD hatten sich als kickender Fußballverein der „Kieler Philharmoniker“ verkleidet. Und der zweifache Olympiasieger von Hongkong in der Vielseitigkeit, Hinrich Romeike (Foto), schlüpfte in die Rolle des Taktstock schwingenden Dirigenten: Ein olympiareifes Finale. jem
„2009 - Kein Springen nach 23.30 Uhr“
Nach der Baltic ÂHorse Show haben wir ein Gespräch mit dem Veranstalter Peter G. Rathmann geführt.
PFERD+SPORT: Es waren 4000 Zuschauer mehr als im vergangenen Jahr, die zur Baltic Horse Show gekommen sind. Wie erklären Sie sich diese positive Entwicklung?
Peter G. Rathmann: Die meisten Zuschauer hatten wir - im Verhältnis zu den anderen Tagen - am Freitag. Der Kindertag wurde verstärkt angenommen. Dazu haben sicherlich das Schaubild „Der Wolf und die sieben Geißlein“ (Ernst Först, Gläserkoppel-Preetz;Anm. d. Red.) und die Dressurkür am Abend beigetragen. Die Internationalität und das starke Starterfeld haben ihr Übriges beigetragen.
PFERD+SPORT: „Jeder Veranstalter muss seine eigene Identität finden“, sagten Sie anlässlich eines Pressegesprächs. Wie würden Sie die Identität der BHS beschreiben?
Peter G. Rathmann: Die Baltic Horse Show ist nicht nur ein Reitturnier, sondern eine Veranstaltung, die sich im sportlichen, im kulturellen und im gesellschaftlichen Umfeld einen starken Marken-Namen erarbeitet hat. Das Cellagon-Konzert am Donnerstag ist mittlerweile zum Kultevent avanciert und aus dem gesellschaftlichen Leben in Kiel nicht mehr wegzudenken. Der Warsteiner Treff sowie der VIP-Bereich „Top of Kiel“ haben einen Stellenwert erreicht, der für andere Veranstalter nur schwer zu toppen ist. Dass die gesamte Mannschaft mit viel Engagement dabei ist, hat dazu geführt, dass die Baltic Horse Show zu dem Reitsport-Event mit Herz geworden ist.
PFERD+SPORT: Um ein Turnier dieser GrößenÂordnung durchziehen zu können, bedarf es, wie wir alle wissen, Sponsoren. Wie war das Feedback nach der Veranstaltung?
Peter G. Rathmann: Wir leben in einer turbulenten Zeit, in der wir nicht wissen, was morgen ist. Wir haben eine starke Kontinuität im Bereich der Sponsoren, wir pflegen diese Partnerschaft über das ganze Jahr. Das gilt insbesondere für den Partner- und Wirtschaftskreis „Holsteiner Masters“, dem ebenso viel Aufmerksamkeit zu teil wird wie unseren Hauptsponsoren. Die Gäste unserer Hauptsponsoren waren sehr angetan von der Baltic Horse Show und haben sich für das nächste Jahr schon wieder „selbst eingeladen“, so die Aussage eines Hauptsponsors.
PFERD+SPORT: Sie erwähnten die großartige Unterstützung durch die Stadt Kiel. Wie sah die aus?
Peter G. Rathmann: Die Stadt Kiel mit ihren zuständigen Ämtern, allen voran die Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz, haben sich sehr stark für die Baltic Horse Show eingesetzt. Ihnen ist es gelungen, dass wir den Exerzierplatz zur Unterbringung der teilnehmenden Pferde nutzen konnten. Das war eine sehr schwierige Situation, die Marktbeschicker für zwei Wochenmarkttage auf den Wilhelm-Platz zu platzieren.
PFERD+SPORT: In den Kieler Nachrichten war zu lesen, dass die Nutzung des Exerzierplatzes im kommenden Jahr noch nicht gesichert ist?
Peter G. Rathmann: Die Ratsversammlung im Kieler Rathaus wird spätestens im Januar 2009 den Beschluss bekannt geben.
PFERD+SPORT: Es gab aber auch einige ÂKritikpunkte der Reiter, die Sie sich, wie Sie sagten, zu Herzen nehmen werden. Was wird sich im kommenden Jahr auf sportlichem Parkett ändern?
Peter G. Rathmann: Das Grundkonzept der Ausschreibung bleibt bestehen. Die Reiter konnten in Kiel viel reiten. Vielleicht wird in der nationalen Ausschreibung der ein oder andere Punkt gändert. Auf jeden Fall wird in den kommenden Jahren abends kein Springen mehr nach 23.30 Uhr ablaufen.
PFERD+SPORT: Wann dürfen wir uns im kommenden Jahr auf die Baltic Horse Show freuen?
Peter G. Rathmann: Die Baltic Horse Show wird vom 15. bis 18. Oktober 2009 in der Sparkassen-Arena-Kiel stattfinden.
HANSANO Fahrduell
Drei Tage Rasanz an den Leinen
Da bleibt kein Zuschauer ungerührt auf seinem Sitz, wenn die ps-starken Gespanne rasant durch das Hallenrund donnern: Das HANSANO-Fahrduell begeisterte in seinem dritten Jahr die Massen. Zu guter letzt fehlten der schleswig-holsteinischen Mannschaft weniger als zehn Sekunden für den Sieg, aber nach drei Runden an drei Tagen war das internationale Team auf Goldkurs und nicht mehr zu stoppen. Der Lohn der Mühen: tosender Applaus von den Rängen.
Sonntag wurde die entscheidende dritte Runde gefahren, bis dahin hatten die Schleswig-Holsteiner geführt. Gemanagt wurde das fahrsportliche Showelement von Gundloff Robrahn aus WillingÂrade. „Das ist Fahrsport vom Feinsten“, urteilte der Parcours-Designer Wolfgang Asendorf (Salzhausen). Vierspännerfahrer Falko Mäkelburg (Hanerau-Hademarschen) fuhr seine Bestzeit, obwohl er ein Pferd eingespannt hatte, das zum ersten Mal in einer Halle war. Senkrechtstarter Michael Brauchle aus Lauchheim in Baden-Württemberg zeigte mit seinem Vierspänner, was in der Halle möglich ist. Der 18-Jährige, der im kommenden Jahr seine Lehre als Metallbauer beenden wird, ist der jüngste Fahrer, der je mit einer Medaille von einer Weltmeisterschaft nach Hause gekommen ist. Er gewann Silber mit der Mannschaft im niederländischen Beesd. Seine Pferde sind, wie er sagt, „Familienpferde“. Wie Michael Freund legt er auf Abstammung keinen Wert. In seinem Gespann geht auch ein Orlov-Traber, geboren in Russland, der Urheimat dieser Rasse. Und um ihn und die anderen Familienpferde sorgt sich auch die ganze Familie. Der Kieler Start war für Michael Brauchle die Vorbereitung für die Weltcup-Prüfung in Stuttgart - er hatte dort eine Wildcard.
Für die Ponys des Deutschen Meisters Stephan Koch (Trittau) begannen nach Kiel die verdienten Ferien. Im nächsten Jahr stehen vor allem vier Turniere - Sichtungen für die Weltmeisterschaft - an. „Ich fahre gerne nach und in Kiel, das macht Spaß“, betonte Stephan Koch, dessen Beifahrerin immer seine Frau ist. Während der Siegerehrung überreichte Klaus Buß, Vorsitzender des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein, zwei Fahrern für herausragende Leistungen das Goldene Fahrabzeichen, Mareike Harm aus Negernbötel als Einspännerfahrerin und Stephan Koch als Pony-Zweispännerfahrer. jem
Die Dressur ist zurück in Kiel
Kürfinale der Young Horses Classics
Dick Tracy zeigte sich in der Sparkassen-Arena als wahrer StrahleÂmann. Der gekörte, achtjährige Oldenburger Hengst ist der erste Gewinner einer Dressurprüfung auf schwerem Niveau, die das Kieler Reitturnier seit 13 Jahren im Programm hatte. Die nationale S*-Dressur, Prix St. Georges, war Kürfinale der Young Horses Classics, gesponsort vom Gestüt Dreikronen (Kiel).
Qualifiziert für das Kürfinale der YHC, Serie für sieben- bis neunjährige Pferde, hatten sich sieben Reiter. Das große Finale fand übrigens vom 28. bis 30. November bei den „Horse and Classics“ in Elmshorn statt (siehe Bericht S. 24 und 25). Peter Koch, Dressurausbilder aus Sittensen, Hahn im Korb der weiblichen Viereckathleten, ritt am Freitag als erster in das 60-Meter-Viereck. Der 48-Jährige brillierte mit einer schönen Vorstellung eines gelösten, zufriedenen Pferdes, das sich vor vollen Rängen ins beste Licht rückte: Rang eins (74,50). Von Aufregung vor großer Kulisse - die den neunjährigen Trakehner Hoftänzer von Karin Winter-Polac (Lürschau) unfreiwillige Sprünge vollführen ließ - war bei Dick Tracy nichts zu spüren. „Er ist immer konzentriert“, so Koch.“ Auf Rang zwei kam - mit deutlichem Abstand - die jüngste im Bunde, die Dreikronen-Bereiterin Kornelia Kindermann (26) mit Despinya (70,83) vor Karin Lührs (Neversdorf) mit dem achtjährigen Trakehner Sergeant-Pepper (70,66). Als es am Sonntag um Zuschauermeinung ging, lag die 26-jährige Bereiterin Kornelia Kindermann aus Kiel mit ihrer Oldenburger Stute Despinya nach Applausometermessung ein Dezibel-Pünktchen vor Ausbilder Peter Koch auf Despinyas Halbbruder Dick Tracy. Das Konzept, das KürÂfinale der Young Horses Classics am Freitag in der Sparkassen-Arena austragen und die besten Drei am Sonntag in einem Publikumspreis reiten zu lassen, begeisterte offensichtlich: Während Karin Lührs (Neversfelde) mit ihrem Trakehner Sergeant-Pepper ihre St. Georges-Niveau-Kür auf klassische Klänge abstimmte und dafür 93 Dezibel Applaus erntete, tanzte Despinya in sauberen Lektionen zu Filmmusik. Der Oldenburger Hengst Dick Tracy und Freitagsgewinner Koch präsentierten sich erneut „auf den Punkt“. Das Publikum votete für Kindermann und Sponsor Nils Bezold freute sich doppelt: Zum einen, weil seine Idee einschlug, zum anderen, weil Despinya ihm gehört.
Turnierveranstalter Peter G. Rathmann kombinierte die Dressur übrigens so erfolgreich mit dem „erforderlichen Show-Faktor“, dass auch in Zeiten von Doping-Diskussionen die Massen zum Reitturnier strömten. „Die Dressur hat eindeutig zum gesteigerten PublikumsÂinteresse beigetragen“, stellte Rathmann nach dem erhöhten Kartenverkauf fest. Jessica Bunjes
Holsteiner Masters 3plus 1: „Gold“ für Christian Straub und Lilly Marleen
Seriensieg: Jörg Naeve
Mit Lilly Marleen, elfjährige Holsteiner Stute von Cascavelle-Sir Dancer xx (Detlef Hansen, Nordermeldorf), lief es die Saison über „richtig gut“, wie Christian Straub resümierte. Das Paar aus Niebüll beendete seine Erfolgs-Serie auf der Baltic Horse Show mit dem Sieg im S***-Springen mit Stechen, dem Holsteiner Masters 3plus1 präsentiert von Lotto Schleswig-Holstein. „Der heimliche Große Preis“ war Endstation der Springsportserie, die in Wittensee begann und über die Stationen, Fehmarn, Niebüll und Bad Segeberg ging.
So mancher Sieg in schweren Springen ging dieses Jahr an Christian Straub und Lilly Marleen, von der der 34-Jährige sagt, „nicht ganz einfach zu sein.“ Weil Besitzerin Birte Brunk ihr zweites Kind bekommen hat, lieh sie die schnelle Stute an den Ausbilder aus, der sich 2007 auf ihrer Anlage selbständig gemacht hat.
1992 ging Straub zu Jörg Naeve nach Ehlersdorf, um dort als Bereiter alles zu lernen, was er für eine professionelle Reiterkarriere braucht. Sieben Jahre später wagte Straub den Sprung in die Selbständigkeit und zog im Jahr 2000 um auf die Anlage des Norddeutschen und Flottbeker Reitervereins. Dort blieb er fünf Jahre lang Pächter und kümmerte sich um das Stallmanagement. Im Mai 2002 feierte der Bereiter seinen „persönlich größten Erfolg“, wie Straub verrät. Damals gewann er das Hamburger Speed Derby. Vierbeiniger Partner war der zwölfjährige Wallach Chamberlain v. Caretino-Tin Rod xx. „Der Sieg im Holsteiner Masters 3plus 1-Springen ist für mich ein HighÂlight in meiner Karriere und ein toller Abschluss dieses Sportjahres“, so Straub. Mit dem Sieg in Kiel erreichte Straub die Voraussetzungen für das Goldene Reitabzeichen. Auf das „unerwartet“ gute Jahr 2008 will der Profi in 2009 aufbauen: „Wenn ich das passende Pferd habe, werde ich die 3plus1-Serie wieder in Angriff nehmen“, kündigt Straub an, der Âeinige viel versprechende junge Pferde unter dem Sattel hat, aber hofft, noch ein gutes S-Pferd zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Gesamtserien-Sieger Jörg Naeve - er war nach Top-Auftritten in den Qualifikationen fast unerreichbar in Führung gegangen - schenkte die gewonnene Kreuzfahrt mit dem ZDF-Traumschiff MS-Deutschland seinen Eltern und stieg direkt nach der Baltic Horse Show in den Flieger nach Bahrain, um seinen Vorjahresgewinn, eine Kreuzfahrt mit dem ZDF-Traumschiff durchs Mittelmeer, einzulösen. Jessica Bunjes