Trotz des „Stabwechsels“ von August Christian Horn an Ullrich Kasselmann und Paul Schockemöhle haben die VR Classics (Holstenhallenturnier) in Neumünster nichts von ihrem Charme eingebüsst. Die Zuschauer verfolgten einmal mehr begeistert den großen Sport im Viereck und im Parcours.
Weltcup Dressur
Kam, sah und siegte wieder: Isabell Werth
Das Dressur-Starterfeld hatte man schon hochklassiger gesehen. Aus Holland war die zweite, allerdings durchaus ansprechende, Garnitur gekommen, und die Reiter aus Skandinavien zogen einen Start beim eine Woche später stattfindenden Weltcupturnier in Göteborg vor.
Von Mannschaftsolympiasiegerin Isabell Werth kam ein klares Bekenntnis zu Neumünster. „Es gibt kein Turnier, bei dem man so schnell in Kontakt mit Zuschauern und den Züchtern kommt“, sagte sie. Zusammen mit Satchmos Besitzerin Madeleine Winter-Schulze war sie bereits am Dienstag angereist. „Wir hatten viel Ruhe, um die Pferde zu arbeiten und auch ein wenig die Seele baumeln zu lassen.“ Und das hatte auch dem manchmal etwas kapriziösen Satchmo (Han.) v. Sao Paulo gut getan. Völlig gelassen, am langen Zügel, kam er vor den Prüfungen im Schritt in die Bahn. Den Grand Prix hatten die Mannschaftsolympiasieger von Hongkong mit 76,723 Prozent für sich entscheiden können. Für die Kür hatte Isabell Werth ihre Olympiamusik gewählt, allerdings auf die Piaffe-Pirouette, bei der der Braune in Hongkong seine Mitarbeit verweigert hatte, verzichtet. Höhepunkte der fehlerlosen Kür waren einmal mehr die Verstärkungen und Traversalen, die man besser kaum zu sehen bekommt. Für die Traversalen gab es von Mariette Whitages sogar eine „10“, und am Ende waren es stolze 84,554 Prozent - das höchste Ergebnis in der diesjährigen Weltcupsaison -, die für Isabell Werth und Satchmo zu Buche standen. Alle Richter hatten das Paar auf dem Spitzenplatz gesehen. Von Katharina Wüst, der Richterin bei M gab es in der B-Note gar eine 9,6. Das Publikum, das, so Isabell Werth, „die Reiter durch die Prüfung trägt“, begann schon zu jubeln, als Balagur, der 19jährige Orlow-Traber, in der Halle erschien. Und seine Reiterin, die bei Monica Theodorescu trainierende Russin Alexandra Korelova, begann und endete ihre Kür mit den Lektionen, die der Schimmel am Besten kann: Piaffe und Passage. Es gibt im Moment kein Pferd auf der Welt, das diese Lektionen so perfekt beherrscht wie der kleine Schimmel. Glatte 78 Prozent waren das Ergebnis für das sympathische Paar, und über das Gesicht von Monica Theodorescu huschte ein Lächeln als sie als nächste Reiterin die Halle betrat und das Ergebnis hörte. Sie ließ ihren Fuchs Whisper (Bad.-W.) v. Welt Hit I, der sich über Winter noch einmal verbessert und gefestigt hat, zu irischer Musik tanzen und Âbelegte nach einer ausdrucksstarken Vorstellung den dritten Platz. „Ich denke, ich kann nun meinen neuen Pass beantragen“, freute sie sich im Hinblick auf das Finale in Las Vegas. Sympathiepunkte vom Publikum bekamen die in Deutschland lebende Amerikanerin Christine Haddad, die für ihre Kür - passend zum Namen ihres Pferdes Maximus - Musik aus dem Film Gladiator gewählt hatte, und die Polin Katarzyna Miczarek. Ihr leicht an den Hilfen stehender gekörter Holsteiner Hengst H-Ekwador v. Heraldik xx-Corofino (Georg Clausen, Rabenkirchen), der erst am Anfang seiner Grand-Prix-Karriere steht, absolvierte unbeeindruckt vom Publikum die von ihm geforderten Lektionen in einer naturgemäß noch nicht allzu schwer angelegten Kür.
Leichte Enttäuschung - im Grand Prix und in der Kür - machte sich nach den Ritten der Mannschaftsolympiasiegerin Heike Kemmer breit. Sie hatte nicht ihren Bonaparte, sondern den elfjährigen, in Sachsen-Anhalt gezogenen Royal Rubin v. Rubinstein mitgebracht. Mit dem Fuchs sahen beide Vorstellungen sehr „nach Arbeit“ aus, so dass es im Grand Prix - zu Recht - nur zum achten und in der Kür zum zehnten Platz reichte.
„Der Weltcup muss in Neumünster bleiben“, dieser Meinung waren unisono Richter, Reiter und natürlich Ullrich Kasselmann, der als Turnierleiter den Part der Dressur übernommen hatte. „Das Turnier ist Kult, und dazu gehört auch die Weltcupkür“, sagte Ullrich Kasselmann angesichts der Signale, die aus Leipzig und etwas zögerlicher aus Stuttgart kommen. Leipzig will 2011 die Finals in Dressur, Springen und Fahren ausrichten. Nach dem Willen der FEI muss dort zuvor eine Qualifikation stattgefunden haben. Und pro Land darf es nur eine Qualifiktion geben, so ist das Reglement.
DvP
Laura Bechtoldsheimer
„Ich komme gerne nach Neumünster“
Die fein reitende Laura Bechtoldsheimer war zum zweiten Mal in Neumünster zu Gast. Sie kommt „gerne“ nach Holstein, denn „die Leute sind alle so nett hier.“
Fehler in den Einer- und Zweier- Wechseln ihres schönen, in Dänemark gezogenen Fuchses Mistral Hojris dürften sie den dritten Platz in der Weltcup-Kür gekostet. Seit ihrer Kindheit lebt die gebürtige Deutsche mit ihrer Familie in den Cotswolds, genauer gesagt in der Nähe von Cirencester, eine der schönsten Gegenden Englands. Das Reiten ist ihr in die Wiege gelegt worden, ihr Vater war ebenfalls ein bekannter Dressurreiter und ist heute neben Klaus Balkenhol ihr Trainer. Mit drei Jahren hat die 23Jährige zum ersten Mal auf einem Pony gesessen und im britischen Ponyclub-System eine vielseitige Ausbildung genossen. Vor dem Umstieg aufs Großpferd kam die Liebe zur Dressur, und mit 14 Jahren gewann sie eine Mannschaftssilbermedaille bei den Pony-Dressur Europameisterschaften. Seitdem war sie bei allen europäischen Titelkämpfen der Junioren und Jungen Reiter dabei. Ihr „Umstiegspferd“ war der Trakehner Hengst Polarion, mit dem Laura, die ein abgeschlossenes Studium in Philosophie und Politik hat, ihre ersten Grand Prix Prüfungen bestritt. Mit Douglas D’Orsay hatte Laura ihren ersten großen Auftritt bei den Senioren: 2006 wurde sie bei den Weltmeisterschaften in Aachen 21. im Grand Prix Special. Die Liebe zur Vielseitigkeit ist geblieben. Nach den Olympischen Spielen von Hongkong bestritt sie auf einem ehemaligen Olympiapferd, Silence, dem alten „Kämpen“ des Neuseeländers Dan Jocelyn, eine leichte Prüfung, und inzwischen steht auch ein Vielseitigkeitspferd in ihrem Stall. „Ich will einfach ein bisschen Spaß haben“, erklärt Laura Bechtoldsheimer, die man in Zukunft im Dressurviereck sicher im Auge behalten muss. DvP
Wieger de Boer
Dressur-Champion der Pferdestadt Neumünster
Das Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter wurde in einer Grand Prix-Tour entschieden.
Zehn Reiter aus Schleswig-Holstein waren im Grand Prix gestartet, drei hatten sich für den Special qualifizert: Julia Mestern mit dem aus der Zucht von Albert Bossmann, Süsel, stammenden Ludwig Löwenherz v. Leandro-Caletto I (8.), Martin Christensen mit Anatol (5.) und Wieger de Boer mit Kupfermann v. Lucky Champ-Donnerhall (Dr. Dörte Kupfermann, Holm), der hinter der Bereiterin im Stall Kasselmann, Insa Hansen mit Weissager und der Amerikanerin Christine Haddad auf Cadillac den dritten Platz belegte. Vor allem mit seiner ausdrucksstarken Galopptour mit guten Wechseln und Pirouetten punktete der inzwischen elfjährige Braune, der sich anschickt in die „Hufstapfen“ von Cosmopolitan zu treten. Wieger de Boer hat Kupfermann, dessen Mutter Isabell in Dressurprüfungen bis zur Kl. S erfolgreich war, zweieinhalbjährig gekauft. „Ich habe ihn auf der Weide bei seiner Züchterin gesehen und gedacht: Das wird mein kommendes Grand Prix-Pferd,“ erzählt der gebürtige Holländer, gibt aber auch zu, dass er sich noch sehr in den schlaksigen Typ „reindenken“ musste. Kupfermann hat die Zeit, die sein Reiter ihm gegeben hat, bereits im vergangenen Jahr mit Siegen und Platzierungen bis zum Grand Prix Special gedankt. Für diese Saison stehen für die Beiden zunächst einmal das Hamburger Derby und die Deutschen Meisterschaften der Berufsreiter auf dem Programm. DvP
Neumünster
Die Sieger
Champion der Pferdestadt NMS der Dressurreiter
Wieger Derk de Boer
Sonderehrenpreis von der Schuhmanufaktur Harai
Champion der Pferdestadt NMS der Springreiter
Janne-Friederike Meyer
Champion der Pferdestadt NMS der Junioren/Jungen Reiter
Janine Rijkens
Champion der Pferdestadt NMS der Ponyreiter
Larissa Böckenholt
Bestes Holsteiner Pferd
Felix Hassmann
Sonderehrenpreis des Innenministers des Landes SH
Erfolgreichster Dressurreiter/In
Isabell Werth
Sonderehrenpreis der Fa. Tesch Inkasso
Erfolgreichster deutscher Springreiter
Jörg Kreutzmann
Sonderehrenpreis des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen des Landes S-H
Erfolgreichste deutsche Springreiterin
Kathrin Müller
Sonderehrenpreis des Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H
Erfolgreichster ausländischer Springreiter
Piet Raijmakers
Sonderehrenpreis des Präsidenten des S-H Landtages Martin Kayenburg
Erfolgreichste ausländische Springreiterin
Charlotte Lund
Sonderehrenpreis des Kreissportverbandes Neumünster
Susanne Sager im Interview
„Das Turnier der Holsteiner Herzen“
Im Anschluss an die VR Classics hat sich Donata von Preußen
mit Susanne Sager, seit vielen Jahren für den Ablauf des Turniers verantwortlich, unterhalten:
PFERD+SPORT: Die VR Classics 2009 gehören der Vergangenheit an. Waren Sie zufrieden mit der diesjährigen Veranstaltung?
Susanne Sager: Ja, wir waren zufrieden. Paul Schockemöhle wurde kurz vor dem Turnier gefragt, was er sich für Sonntag Abend wünsche. Er sagte, dass niemand die Veränderung gemerkt hat. Ich bin mir sicher, dass dieses im Großen und Ganzen der Fall war. Die sportlichen Ergänzungen wurden von den Reitern, den Zuschauern und Sponsoren ebenfalls gut angenommen. Das Holstenhallen-Reitturnier ist einfach das Turnier der Holsteiner Herzen.Es hat seinen sportlichen Stellenwert mit den diesjährigen Ergebnissen, speziell in der World Cup Kür, unterstrichen. Hierzu können wir sagen, dass wir bereits wieder die Zusage der FEI für die Durchführung der FEI World CupTM Dressage Qualifikation für 2010 bekommen haben.
PFERD+SPORT: Wie sah die Zusammenarbeit mit Ullrich Kasselmann und Paul Schockemöhle aus? War es eine große Umstellung für Sie?
Susanne Sager: Da ich auf anderen Veranstaltungen seit gut 20 Jahren bereits mit Ullrich Kasselmann und Paul Schockemöhle zusammenarbeite, war es für mich keine wirkliche Umstellung. Aber natürlich war es für mich sehr angenehm, dass mir August Christian Horn, der dieses Turnier mit seinem Herzblut geführt hat, zu jederzeit mit Rat zur Seite stand.
PFERD+SPORT: Es haben ja einige „große Namen“ in der Starterliste gefehlt. Hängt das damit zusammen, dass die Hotels für die Reiter nicht mehr bezahlt werden?
Susanne Sager: Nein, dass hat damit nichts zu tun. Die Reiter tragen auf allen Turnieren ihre Kosten selbst. Die Reiter, die auf den Plätzen 1 bis 25 auf der Weltrangliste stehen, hatten auch weiterhin alles frei. Die eingesparten finanziellen Mittel wurden zur Aufstockung des Preisgeldes einer Prüfung verwendet, für die es dadurch jetzt Weltcuppunkte gab und somit den Reitern wieder zugute kam. In diesem Jahr hatten wir einfach das Pech, dass zeitgleich in Vigo ein Turnier mit Weltcup-Qualifikation Springen stattfand und einige Reiter dort gestartet sind und Weltcup-Punkte gesammelt haben. Aber an den sportlichen Ergebnissen hat man gesehen, dass man nur mit Weltklasse-Leistungen in Neumünster gewinnen konnte.
PFERD+SPORT: An den ersten Veranstaltungstagen ist es ja recht spät geworden. Werden Sie daran im kommenden Jahr etwas ändern?
Susanne Sager: Das hat auch uns nicht so zugesagt, aber durch zusätzliche Prüfungen wurden die Veranstaltungsabschnitte etwas lang. Daran werden wir sicher arbeiten.
PFERD+SPORT: Wie man hörte, muss Neumünster um seinen Weltcup-Status bangen, weil Leipzig und Stuttgart ebenfalls Interesse an dieser Prüfung bekundet haben. Wie sehen Sie die Chancen, dass Neumünster den Weltcup behält?
Susanne Sager: Wir bereits erwähnt, hat die FEI nach den Ergebnissen der diesjährigen Qualifikation und nach den Berichten des offiziellen Richters und der Reiter uns bereits die Zusage für die Durchführung der FEI World CupTM Dressage Qualifikation für 2010 gegeben. Somit können sich alle wieder auf diese tolle Dressur-Matinée am Sonntag freuen.
PFERD+SPORT: Wird es im nächsten Jahr Änderungen im Programmablauf geben? Wenn ja, welche?
Susanne Sager: Der Programmablauf wird in seiner Gesamtheit keine großen Veränderungen erfahren, denn das Publikum muss sich weiter auf das knackige Programm verlassen können. Ein Großteil der Karten ist ja bereits wieder bestellt. Aber die eine oder andere Überraschung wird es geben - denn schließlich haben wir im kommenden Jahr ein großes Jubiläum zu feiern: Es ist das 60. Holstenhallen-Reitturnier.
Big Brother is watching you
Videoüberwachung in der Abreitehalle
Bei den VR Classics in Neumünster kam in der Abreitehalle erstmals eine Video-Kamera zum Einsatz, deren Bilder auf dem Richterturm zu verfolgen waren. Diese Maßnahme war vom Club der Springreiter in Schleswig-Holstein und Hamburg angeregt worden. Der Chefrichter Springen, Hans-Joachim Geilfuß, sah das Ganze mit gemischten Gefühlen. „Ich finde schon, dass wir mit dem Thema Verhalten auf dem Abreiteplatz sensibel umgehen müssen“, sagte er. „Es darf aber nicht vergessen werden, dass immer ein Kollege - in Neumünster waren es sogar zwei - dort Aufsicht führt. Und es ist immer besser, ein problematisches Verhalten der Reiter sofort anzusprechen.“ Unbeobachtet waren eines Reiters sowieso nicht, denn in der Abreitehalle tummelten sich immer zahlreiche Zuschauer, um einen wärmenden Kaffee zu trinken, eine Zigarette zu rauchen oder bei „Von Rönne Reitsport“ einzukaufen.
Mannschaftsweltmeister Piet Raijmakers
Dritter internationaler Sieger
Mit dem entspannten Lächeln des Siegers lehnt Piet Raijmakers sich auf seinem
Stuhl zurück. Der 1.90 Meter-Hühne streckt seine langen Beine und kündigt lächelnd an: „Ich komme 2010 wieder - wenn ich darf“.
Der 52 Jahre alte Mannschaftsweltmeister aus den Niederlanden hatte die internationale Konkurrenz im Großen Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Neumünster im Sattel des 14-jährigen Hannoveraner Hengstes Van Schijndel´s Rascin abgehängt. Ihm dicht auf den Fersen waren die beiden Nordlichter Jörg Kreutzmann mit Sauternes ter Vlucht und Carsten-Otto Nagel mit Canzaro v. Chambertin-Athlet Z (Rita Siebke-Baasch, Sarzbüttel (siehe auch PFERD+SPORT 3/09, Seite 6).
„Ich glaube nicht an Wunder, sondern an harte Arbeit“, kommentiert Raijmakers seinen Sieg in dem S***-Parcours, den er als „hoch, breit, technisch“, beschreibt und bezieht sich damit auch auf das „Mental Coaching“, das in anderen Sportarten wie Fußball, aber auch zum Beispiel beim Vielseitigkeitsreiten, vor schweren Aufgaben durchaus in Anspruch genommen wird. „Ein gutes Pferd und einen guten Plan kann kein Mental Coach besser machen“, ist seine Überzeugung. Er betont: „Wir helfen uns gegenseitig“, und meint damit auch seine beiden international erfolgreich reitenden Söhne, von denen Piet Junior, der gelernte Maurer, die Raijmakersche Anlage gebaut hat.
Der Senior Piet kam 1957 als sechstes von neun Kindern im niederländischen Asten zur Welt. Dort lebt er heute noch mit seiner Frau Dorrie und seinen beiden Söhnen. Gemeinsam betreibt die Familie einen Zucht- und Trainingsstall in Raijmakers Geburtsort, in dem der ehrgeizige Sportler nach seinen sportlichen Erfolgen zum Ehrenbürger ernannt wurde. Seit 25 Jahren steht Raijmakers der niederländische Bauunternehmer Schijndels zur Seite, dessen Sponsoring über Raijmakers verschiedene Aufenthalte in den vergangenen Jahren, zum Beispiel Ende der 80er im Gestüt Zangersheide/ Belgien, erhalten blieb.
Seine Reitsportkarriere startete der Mannschafts-Weltmeister vor über 40 Jahren, wurde im Alter von 15 Jahren auf Pony Jelke niederländischer Champion, 1976 zum ersten Mal Beneluxchampion, startete vier Jahre später als holländischer Meister bei den Olympischen Spielen in Moskau, wurde 1987 mit dem holländischen Team Vierter bei den Europameisterschaften. In dem Jahr stellte ihm das Gestüt Zangersheide auch die Ausnahmestute Ratina Z zur Verfügung. Mit ihr holte er 1991 mit dem holländischen Team EM-Gold, 1992 Olympisches Mannschafts-Gold in Barcelona und Einzel-Silber, bevor sie verkauft wurde und zu Ludger Beerbaum wechselte. Etliche Male rangierte Raijmakers seither unter den „Top 10“ der FEI-Weltrangliste
Auch die Holsteiner Stute Classic Touch v. Caletto II-Landgraf I (Hans-Werner Ritters, Krumstedt) stand im Stall bei Piet Raijmakers (1997/98). „Ein tolles Pferd mit viel Esprit“, erinnert sich der Profi, dessen Liebling aber der 14 Jahre alte KWPN-Wallach Van Schijndel´s Now or Never ist. Rund 30 Pferde hat der Mann, der sein eigenes Team („Team Raijmakers“) unterhält, auf dem Hof, davon elf mit Holsteiner Genen, wie beispielsweise sein WM-Pferd Van Schijndel`s Curtis v. Coriano-Aloubé Z (Peter W. Cordsen, Neumünster).
Unterstützt wird Raijmakers auch im täglichen Training von über 20 Pferden von seinen Söhnen Piet, dem gelernten Maurer, und dem ausgebildetem Fahrradmechaniker Joep, von dem Raijmakers sagt: „Er hat vielleicht das meiste Gefühl von uns allen.“ Beide haben erst mit 19 Jahren angefangen ernsthaft zu reiten, machen Vater Piet aber „schon ordentlich Druck“. Der trägt es mit Fassung und sagt grinsend: „So lange ich gewinne, bin ich besser.“
Jessica Bunjes
Indoor-Wettbewerb
Sieg für Kai Rüder
„Wir haben guten Sport gesehen“, sagte Landestrainer Detlef Peper nach der Zeitspringprüfung Kl. M über Naturhindernisse. Ebenso wie viele Zuschauer fand er es allerdings schade, dass die Prüfung so spät am Abend lief und die Halle nur noch spärlich gefüllt war. Der Stimmung war dennoch hervorragend, und am Ende war Kai Rüder mit der neunjährigen, Vollschwester des ehemaligen Bundeschampions Edino, Penelope v. Esteban xx-Loutano (Dörte Rehse-Behncke, Brügge), drei Sekunden schneller als Melina Lamp mit ihrem bewährten Flamenco und Malin Larsson mit Piccadilly Z v. Narew xx-Latino (Karen Zielke, Nordhastedt). Die schnellste Runde war wieder einmal Julia Mestern mit Hamlett v. Heraldik xx-Caletto II (Gert Wichmann, Wensind) geritten. Nach einem Abwurf und vier Strafsekunden landete die im wahrsten Sinne des Wortes vielseitige Amazone auf dem vierten Platz.
Niklaus Schurtenberger
Debüt in den Holstenhallen
Die Holstenhallen von Neumünster kennt der Schweizer Niklaus Schurtenberger von den Körungen des Holsteiner Verbandes, die er einige Male mit den Besitzern von Cantus FBW, der Famile Erni, die auch Züchter des Verbandshengses Quidado ist, besucht hat. Die VR Classics waren also Neuland für den Schweizer, der immer noch auf seine olympische Bronzemedaille hofft und mit Spannung das Urteil des CAS im Fall des Norwegers Tony André Hansen erwartet. Zwei Holsteiner hat Niklaus Schurtenberger mit nach Neumünster gebracht. Eigentlich sind es drei, denn sein Erfolgspferd FBW Cantus ist als Calido I-Lancer I-Coriolan-Sohn rein holsteinisch gezogen. Neu in seinem Aubildungs-, Pensions- und Turnierstall in der Nähe von Bern, ist der neunjährige Schimmel Opus PSG v. Contender-Landego aus der Zucht von Thomas Zwick, Rosenfeld, der im Winter noch von Beat Mändli geritten wurde und den Großen Preis von Wien gewann. „Er hat alle Möglichkeiten dieser Welt und ist super vorsichtig, nur müssen wir noch an der Rittigkeit arbeiten“, meinte Niklaus Schurtenberger. Auch im Großen Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken unterlief ihm ein auf dieses Problem zurückzuführender Abwurf, der die Teilnahme am Stechen kostete und Rang zehn bedeutete. Vor wenigen Wochen hat der Besitzer von Opus PSG, der nun erst einmal Pause bekommt, Niklaus Schurtenberger einen weiteren Holsteiner Schimmel zur Verfügung gestellt, der bei den Europameisterschaften in Mannheim unter dem Österreicher Stefan Eder in aller Munde war: Cartier PSG v. Cantus-Cor de la Bryère (Annelie Voss, Wittbek). „FBW Cantus hat nun Entlastung bekommen“, freut sich der 41-Jährige, der bei den Weltreiterspielen in Aachen Zehnter in der Einzelwertung geworden war. Seitdem gehört er zum festen Bestandteil des Schweizer Teams, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Starts in La Baule, Rom und St. Gallen auf seinem Programm stehen.
Lea Clausen und Celina
Erfolgreiches Duo
Das Einlaufspringen zum Ponychampionat der Pferdestadt Neumünster lief optimal für die gerade 15 Jahre alt gewordene Lea Clausen aus Mildstedt: Im Sattel der zwölfjährigen Deutschen Reitponystute Celina hat die Neuntklässlerin mit einer fehlerfreien, flotten Runde die goldene Schleife erbeutet. Das Finale endete mit dem Bronzerang, denn das Paar wollte zu schnell zu viel auf einmal.
Zwei Stangen fielen im Finale aber mit kleineren Rückschlägen kann die Âamtierende deutsche VizeÂmeisterin, die Landestrainer Detlef Peper längst in der Schublade „Talent“ untergebracht hat, ganz gut leben. „Schade, aber was soll´s“, kommentierte sie den verpassten Sieg sportlich. Kann sie auch, ihre Bilanz ist so gut, dass die Realschülerin seit Mai 2008 zum Bundesponykader gehört, seit sie im Sattel von Celina den Preis der Besten in Warendorf gewinnen konnte. Außer Celina steht Lea, die seit Kindesbeinen im Sattel sitzt und vor rund zehn Jahren klassisch beim Führzügelwettbewerb begonnen hat, seit neuestem noch ein zweites, achtjähriges Reitpony aus Dänemark zur Verfügung (Montoja). Ständig begleitet von Mutter Gabriele und Vater Volker, hatte Lea, die inzwischen bis zum M**-Niveau reitet, dieses Jahr ihren dritten Auftritt bei den VR Classics. Das Mädel, das Marcus Ehning als Vorbild nennt, verrät: „Aufgeregt bin ich kaum, ich konzentriere mich im Parcours nur auf die Hindernisse.“
Für diese Saison peilt die 15-Jährige als Höhepunkt die Pony-EM im August in Belgien an.
Siegerin des Pony-Championates von Neumünster wurde übrigens Larissa Böckenholt (Süderlügum) auf Alasio, vor Anna Sandmann (Lähden) mit California. jem
Carefina
Erfolgreichstes Holsteiner Pferd
Als Reiter des erfolgreichsten Holsteiner Pferdes, es war Carefina, wurde Felix Hassmann mit einem Sonderehrenpreis des schleswig-holsteinischen Innenministers ausgezeichnet.
Der 23-Jährige gilt als einer der Fleißigsten seiner Branche. Allein für die Saison 2007/2008 sind im FN-Jahrbuch Sport genau 398 Siege und Platzierungen von Springpferdeprüfungen Kl. A bis hin zu Großen Preisen verzeichnet. „Mit der letzten Saison war ich hoch zufrieden“ sagt der dreifache Goldmedaillengewinner bei Junioren-Europameisterschaften dann auch. Nach seinem zweiten Platz im Dezember im Großen Preis von Frankfurt ist es für ihn auch einfacher geworden, Startgenehmigungen für die „besseren“ Turniere zu bekommen.
Zu Hause auf der elterlichen Anlage in Lienen hat Felix Hassmann rund 30 Pferde unter dem Sattel, von denen zehn in schweren Prüfungen eingesetzt werden. Bei der täglichen Arbeit wird Felix u. a. von seiner Mutter unterstützt, die die Pferde dressurmäßig arbeitet. Felix Hassmanns bestes Pferd im Stall ist z. Zt. Horse Gym’s Carefina v. Caretino-Corofino I-Constant aus der Zucht von Joachim Tietz. Ein flüchtiges Versehen der Stute im Umlauf kostete ihm die Teilnahme am Stechen im Großen Preiis der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Ihr großes Talent hatte die Stute bereits vor fünf Jahren bewiesen, als sie die erste Auflage des Holsteiner Masters Zukunftspreises in der Kieler Ostseehalle für sich entscheiden konnte. Erst kurz zuvor war Carefina nach Lienen gekommen, denn bei ihrem Züchter Jochen Tietz in Diekhusen war sie zunächst Mutterpflichten nachgekommen. Und das der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, hat unlängst ihre 2002 geborene Contendro I-Tochter Queen Mary mit ihrer ersten S-Platzierung unter Jan Wernke unter Beweis gestellt.
Janine Rijkens und La Ramm
Erstes S-Springen gewonnen
Sie ist fröhlich, zurückhaltend, spricht mit so viel Übersicht, wie sie reitet: Die 18-jährige Janine Rijkens aus Elmshorn ist kein unbeschrieÂbenes Blatt. War hoch erfolgreich bei den Junioren - wo sie drei Mal in Folge Landesmeisterin im Springen wurde. Jetzt hat die Gymnasiastin ins Lager der Jungen Reiter gewechselt. Der „Neubeginn“ begann viel versprechend: Mit La Ramm v. Lancer II-Lantaan (Hans-Peter Petersen, Tating) gewann Janine bei den VR Classics ihr erstes S-Springen.
Mit dem Sieg im Championat der Pferdestadt Neumünster für die Junioren und Jungen Reiter hat Janine Rijkens einen Auftakt in ihr „neues Leben“ als Junge Reiterin hingelegt, wie er besser nicht geht. Zudem war der Auftritt in Neumünster für den achtjährigen La Ramm, den Vater Tjeert Rijkens vierjährig kaufte und den Janine seit sechs Monaten unter dem Sattel hat, der erste S-Turnierstart überhaupt. „Das hat super geklappt“, erzählt die im Parcours „selten nervöse“ Zwölftklässlerin, die mit 13 ihr erstes S-Springen geritten ist und sich nun, vor Nisse Lüneburg mit Ladylike v. Landadel-Lord (Stall Moorhof, Holm), ihren ersten S-Sieg holte.
Mit der neunjährigen KWPN-Stute Tomia und dem zehnjährigen Hannoveraner Wallach Pikeur Ludwig ist die Schülerin, die nach ihrem Abi studieren (und keinesfalls professionell reiten) möchte, bestens beritten. Hat in den vergangenen Jahren an der DM, 2007 sogar an der EM teilgenommen, war 2007 und 2008 im Junioren-Bundeskader. Für dieses Jahr hofft Janine, deren Bruder Hendrik (15) auf Bundesebene erfolgreicher Leistungsschwimmer ist, auf einen guten Auftritt beim Preis der Besten in Warendorf. Immerhin gibt es bei dieser Kader-Sichtung eine kleine Chance, sich wieder zu empfehlen.
Als Teilnehmerin des Jugend Team Cups, der in diesem Jahr zum dritten Mal in Neumünster seinen Auftakt nahm und der mit insgesamt sieben Stationen auf der Baltic Horse Show in Kiel sein Finale feiert, zeigt Rijkens sich zudem als Teamplayerin: „Ich bin zwar nur Ersatz weil ich aufgrund bisheriger Erfolge schon manche Prüfung auf den großen Turnieren reiten darf, aber der Cup ist eine tolle Serie“, findet die 18-Jährige.
jem
Graf Landsberg-Medaille für Ernst Först
40 Jahre Wirken für den Pferdesport
Rund 500 Reitkinder tummeln sich Woche für Woche auf dem Reiterhof Gläserkoppel in der Gemeinde Wahlstorf. Ernst Först (76) hat die idyllisch gelegene Anlage mit den drei Reithallen, auf der jährlich mindestens drei Turniere (davon ein Nachwuchsgeländeturnier) stattÂfinden, zu dem gemacht, was sie heute ist. Gut 100 Ponys und Pferde toben ganzjährig an der frischen Luft, davon viele für den hofeigenen Schulbetrieb.
Mittlerweile managt Tochter Susi das Familienunternehmen, doch seit über 40 Jahren engagiert Ernst Först sich unermüdlich vor allem für den reitsportlichen Nachwuchs. Viele hundert Kinder haben bei ihm die ersten Schau-Auftritte gehabt, die erste Turnierluft geschnuppert. Quadrillen, insbesondere Springquadrillen, sind sein Steckenpferd, seine Kosakenreiter bis weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Auf Landesturnieren, Bundesbreitesportfestivals, auf Turnieren in ganzen Land, mit seinem berittenen Fanfarenzug, ist Först seit Jahrzehnten vertreten, lässt Pferdefußball spielen, auf seinem Hof wird neben regulärem Unterricht therapeutisches Reiten und Voltigieren angeboten, die Mounted Games Reiter vom amtierenden Deutschen Meister Preetz I trainieren bei ihm. Rund 60 Auftritte hatten Generationen von Förstschen Reitern alleine in den Neumünsteraner Holstenhallen seit 1974. Seit 1994 hat Först sechs Mal den Schauwettkampf der Reitervereine gewonnen. Wie der Reiterbundsvorsitzende des Reiterbundes Plön, Jürgen Lamp, schon im Vorjahr referierte, als Ernst Först zum Ehrenvorsitzenden des Reiterbundes ernannt wurde, sei der Seniorchef von Gläserkoppel der „Urvater der Reiterei im Kreis Plön“. Fast 2000 öffentliche Auftritte hatten von ihm gecoachte Gruppen, in seiner Ära als Vorsitzender (1971-1993) wuchs der Reiterverein Preetz von 14 auf 260 Mitglieder.
Im Rahmen des internationalen Springturniers in Neumünster ist ihm nun die erste Graf-Landsberg-Medaille in Gold verliehen worden und zwar vom Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg). Er dankte Först für sein langjähriges Wirken für den Pferde-, insbesondere für den Breitensport. „Meistens waren Sie mit Ihren Breitensport-Gedanken der Zeit voraus, denn viel zu lange haben die Turnierreiter den Breitensport nicht für voll genommen“, so Graf zu Rantzau in seiner Laudatio. Jessica Bunjes
16. Schauwettkampf der Reitervereine
Reiterhof Gläserkoppel überzeugt mit neuer Idee
Der Reiterhof Gläserkoppel im Reiterverein Preetz hat seinen Vorjahressieg wiederholt. Mit dem aufwändigen Schaubild „Der letzte Baum“ , bei dem nicht weniger als 120 Fußgänger und 25 Reiter mitwirkten, überzeugte Ideengeber Ernst Först die Jury. Publikumsliebling wurde der Reit- und Fahrverein Ahrensbök.
Der Seniorchef vom Reiterhof Gläserkoppel in Wahlstorf, Ernst Först, der mit seinen Reitern - in unterschiedlicher Besetzung - seit Beginn der Schauwettkämpfe in Neumünster dabei ist, war doppelt gerührt: Nicht nur setzte die Jury, zu der erstmalig auch Springreiterin Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) gehörte, seine ebenso fantasievolle wie reiterlich rasante Aufführung an Platz eins. Es gab auch 1300 Euro für die Vereinskasse. Auch erhielt der 77-jährige Wahlstorfer für sein 40-jähriges breitensportliches Engagement aus der Hand von FN-Präsident Breido Graf Rantzau die Graf-Landsberg-Medaille in Gold. Auf Platz zwei kam die Pferdesportgemeinschaft
Fahmbüttel - übrigens zum ersten Mal dabei - mit ihrer „Krimizeit nach Edgar Wallach“ und jeder Menge Aktion inklusive Voltiervorführung. Rang drei belegte der Reit- und Pensionsstall Oelixdorf (zum vierten Mal mit von der Partie) mit seiner neuen Lightshow namens „Kaleidoskop“.
Publikumssieger wurde der RufV Ahrensbök mit der Unterwasserwelt unter Leitung von Susanne Schmidt, die die Truppe spontan im November anmeldete. „Eigentlich wollten wir dieses Jahr aussetzen, und danach war die Zeit ganz schön knapp“, verriet Schmidt, deren achtjährige Tochter Mascha die jüngste der 16 Reiter war. Sie saß im Sattel von Reitpony Hella, eine 15-jährige kleine, so artige wie schicke Stute, die begeisterte. 75 Fußgänger mischten außerdem mit. jem